Unter dem Winde, Westküste Darß


Neben der Schönheit einer Landschaft sprechen mich auch emotionale Ortstitel an. Ein Ort mit einem besonders spannenden Namen sind für mich die „Inseln unter dem Winde“ in der Karibik. Dieser Name steht für strahlend weiße Strände, Bäume die sich bis an das Wasser erstrecken, eine stete Briese und ein Paradies mit einem Hauch von Piratenabenteuer.

Im Internet finde ich Bilder aus Deutschland die dieser Beschreibung entsprechen: Kilometerlange weiße Strände, schiefe Bäume am Ufer (keine Palmen aber egal), Strandgut. Deutschlands wildeste und schönste Küste liegt im Westen der Halbinsel Darß an der Ostsee. Prägend sind seine Windflüchter, die Kiefern beugen sich hier dem Westwind.

Mein erster Besuch im Sommer 2018 verläuft etwas chaotisch. Ich bin nicht wirklich gut vorbereitet und fahre spontan los. Nach knapp 100 Kilometern bekomme ich auf der Höhe von Köln von meiner Frau ein Bild zugeschickt: Brauchst du ggf. diesen Rucksack? Argh, ich könnte schreien: Dort ruht mein Fotorucksack schön im heimischen Wohnzimmer. Ich Depp, was tun?
Zurück fahren und aufgeben oder nur mit dem Handy Fotos machen. Ich fahre zurück und bin mit dem Umweg 9 Stunden unterwegs. Ich komme erst gegen Abend am Darß an. Eigentlich bin ich platt, aber den schönen Sonnenuntergang muss ich noch schnell auf das Bild bekommen.
Der schnellste Weg ans Wasser ist über den Strand-Parkplatz bei Prerow. Es ist eine schöne Gegend: ein langer Strand mit sehr vielen Besuchern. Hier befindet sich auch der schon zu DDR-Zeiten bekannte Campingplatz Regenbogen direkt am Strand.
Es ist aber nicht mein Piratenstrand. Der liegt 5 Kilometer entfernt im Westen.
Ich gehe weiter Richtung Westen. Nach einiger Zeit wird es grüner und waldiger, kleine Buchten mit Schilf kreuzen meinen Weg. Langsam sieht es aus wie in Mittelamerika. Das sehen aber auch die Millionen Moskitos so, die mich jetzt ohne Mückenschutz und kurzer Hose jagen. Ich gebe erst mal genervt auf.

X-T2 | 1/680 sec | f/6.4 | 200 | 10.0 mm | Darss
DSC-RX100M4 | 1/500 sec | f/2.2 | 125 | 10.0 mm | Darss
NIKON D5300 | 0.6 sec | f/5.6 | 640 | 20.0 mm | Darss

Am nächsten Tag versuche ich direkt zum Weststrand beim Leuchtturm Darßer Ort zu kommen. Von Prerow aus sind es 5 km zu Fuß. Ich leihe mir ein altes Rad aus und hopple über sandige Wege und Wurzeln durch den Wald. Hier ist ein schöner Strandabschnitt mit dem Leuchtturm und zur Grenze beim abgesperrten Naturschutzgebiet im Norden. Vom Leuchtturm aus gibt es eine schöne Rundumsicht, schade dass die Nordspitze gesperrt ist. Aber diese Stelle ist immer noch nicht mein Ort, ich suche immer noch den dichten Wald direkt am Strand.

Sony DSC-RX100M4 | 1/400 sec | f/2.8 | 80 | 23.9 mm | Darß
NIKON D5300 | 1/100 sec | f/4.8 | 1600 | 13.0 mm | Darss

NIKON D5300 | 1/800 sec | f/5.6 | 100 | 10.0 mm | Darss

Versuch Nummer 3 startet jetzt im Süden des Weststrandes. Am nördlichen Ende von Ahrenshoop finde ich endlich meinen Traumstrand: Wilde Bäume, die fast bis zum Strand reichen, Strandgut und eine Abendsonne wie in der Karibik. Ganz zufrieden bin ich aber immer noch nicht:)

Viele der umgestürzten Bäume wurden von Besuchern an den Rand geschoben. Und der Strand wird auch von Nacktbadern geliebt. Obwohl ich schon versuche mit meiner Kamera keinen FKKler im Bild zu erwischen, vertreibt mich eine resolute hüllenlose Oma vom Strand. Ich gebe mich geschlagen und packe die Kamera wieder ein.

Am Abend erwische ich dann endlich meinen Traumstrand ohne Menschen und mit einem tollen Sonnenuntergang,

Bei meinem nächsten Besuch am Ostersonntag ist Himiko mit dabei. Ihr gefällt der Strand. Und sie spürt auch noch eine Ringelnatter auf. Ich finde es auch super, ich habe meine letzten Schlangensichtungen nie fotografieren können, die Tiere waren immer zu schnell weg.


Profi-Tipp:
Ein Weitwinkel betont die Weite und Wildheit des Weststrandes. Ich suche mir hier umgestürzte Bäume als Motiv. Mit dem Teleobjektiv kann die Küstenlinie verdichtet werden. Ein Poolfilter ist hilfreich, um das Wasser klarer zu zeigen. Je nach fortgeschrittener Zeit wird ein Stativ benötigt. Die beste Zeit ist im frühen Frühling, wenn die Winterstürme die Küste aufgewühlt und Bäume entwurzelt haben. Hier sollten dann auch noch keine Badegäste unterwegs sein, die sich gestört fühlen. Ein Besuch zur Abendsonne ist zu empfehlen, der Strand ist ein Weststrand und damit perfekt für die Abendstimmung.

Anfahrt/ Parken:
Adresse: Dorfstraße 55, 18347 Ahrenshoop

Die Anfahrt ist nicht so einfach, die Halbinsel ist ein Naturschutzgebiet. Die wilde Nordspitze ist komplett für Wanderer gesperrt. Die fotogenen Bäume liegen an der Westküste zwischen dem Leuchtturm Darßer Ort und dem Ort Ahrensshoop.

Der kürzeste Weg startet vom südlichen Ende des Weststrandes.  Die Anfahrt erfolgt über die Dorfstraße 55, 18347 Ahrenshoop Richtung Prerow. Von hier aus sind es noch 2.7 Kilometer weiter Richtung Norden zum Parkplatz „Drei Eichen“. Von hier aus geht ein Wanderweg Richtung Norden parallel zur Küste. Nehmen Sie dann den zweiten Weg links um zur Küste zu gelangen. Nach insgesamt 1.7 Kilometern ist der fotogene Weststrand beim Strandübergang Rehberge erreicht.

Koordinaten:
Parkplatz:   54°24’15.2″N 12°28’05.6″E
Fotopunkt: 54°24’53.6″N 12°27’49.3″E







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