Der Wanderer über dem Nebelmeer


Schon lange war ich auf der Spur des Wanderers über dem Nebelmeer. Es ist ein Bild des deutschen Malers Caspar David Friedrich. Dieser malte dramatische Bilder mit leuchtenden Farben. Sein häufigstes Motiv ist der kleine Mensch, der den Naturgewalten ausgesetzt ist. Sein Stil ähnelt eigentlich der beliebten Darstellung auf Instagram: ein kleiner Mensch ausgesetzt der gewaltigen Natur. Obwohl er bereits 1840 verarmt starb, gilt er heute als einer der bekanntesten Künstler der Frühromantik.

Sein bekanntestes Werk, „Der Wanderers über dem Nebelmeer“, entstand im Jahre 1818 und kann noch heute in der Hamburger Kunsthalle bestaunt werden. Friedrich war einige Male in der Sächsischen Schweiz unterwegs. Ich finde das Bild unglaublich spannend: Düstere Felsen ragen in verschiedenen Ebenen aus dem Nebel hervor, ein Wanderer thront darüber und beobachtet die Szene.

Insgesamt 5 Mal war ich bereits in der Sächsischen Schweiz unterwegs. Das Elbsandgebirge ist für mich die grandioseste Mittelgebirgslandschaft Deutschland. Felsen aus Sandstein erheben sich hier markant aus der Ebene. Als ich das erste Mal mit Raphael in die Sächsische Schweiz fuhr und ab der Stadt Pirna die mächtigen Tafelberge erblickte, war ich total geflasht: Eine unglaubliche imposante Landschaft die ich eher in den Vereinigten Staaten erwartet hätte. Diese Landschaft ist so fotogen, dass hier schon die verschiedenensten Filmszenen gedreht wurden, wie z.B. „Der König von Narnia“, „Cloud atlas“, „Inglourious Basterds“ oder „Der Vorleser“.

Prägend für die Sächsische Schweiz ist der Sandstein. Ich liebe seine Ausprägungen. Durch die weiche Konsistent verwittert er schneller als anderes Gestein und bildet häufig skurrile Formen. Besonders der Bundsandstein mit seinen rötlichen Farben schuf wunderschöne Felsgruppen. Viele der bekanntesten Naturdenkmäler der Welt sind aus Sandstein. Dazu zählen beispielsweise in den USA der Antelope Canyon, der Zion Nationalpark und das Monument Valley oder die Felsschluchten in Petra in Jordanien. Aber auch in Deutschland gibt es weitere attraktive Felsformationen, wie z.B. den Teufelstisch im Pfälzer Wald oder die Externsteine im Teutoburger Wald.

Caspar David Friedrich creator QS:P170,Q104884, gemeinfrei Wikimedia Commons
X-T10 | 1/1100 sec | f/7.1 | ISO400 | 25.4 mm | Auf dem Weg zum Zirkelstein

X-T10 | 1/1500 sec | f/6.4 | ISO400 | 52.7 mm | Blick vom Zirkelstein zur Kaiserkrone

Aber wieder zurück in die Sächsischen Schweiz. Ich habe mittlerweile schon viele auffallende, schöne Stellen gefunden: einen Felsen im Bild des Malers habe ich erkannt, auf der rechten Seite ist der Zirkelstein zu sehen. Aber ich wollte unbedingt den exakten Aussichtpunkt von Caspar David Friedrich finden. Beim letzten Besuch wollte ich mich besser vorbereiten und habe mich über Google bemüht, die Informationen zu dem Bild zu finden. Dabei fand ich die Antwort (eigentlich total banal): Wikipedia hatte die Lösung, genau diese wunderschöne Stelle gibt es garnicht. Wow, hätte man sich ja denken können. Maler haben natürlich viel mehr Möglichkeiten als ein Fotograf. Und so hat sich der Maler ein perfektes Landschaftsbild zusammen gemalt.

NIKON D7500 | 1/250 sec | f/5.6 | ISO100 | 11.0 mm | Fels am Fuß der Kaiserkrone
NIKON D7500 | 1/1000 sec | f/5.6 | ISO100 | 18.0 mm | Blick zum Rosenberg und Zirkelstein

Aber die Felsen in seinem Bild gibt es wirklich. Auf geht’s zur Analyse des Bildes:
Der Wanderer steht auf einer kleinen Felskuppe. Diese ist am Fuß der Kaiserkrone zu finden. Der Felsen ist heute im Wald zugewachsen. Von der Kuppe des 350 m hohen Berges gibt es den Blick auf die beiden Haupt-Felsen. Auf der linken Seite ist der 619 m hohe Rosenberg (Růžovský vrch) in Tschechien zu sehen. Und auf der rechten Seite ist der 384 m hohe Zirkelstein. Links in der Mitte ist der Gamrig. Er ist ein 253 m hoher Fels auf der anderen Elbseite. Weitere Felsbestandteile sind vom Ausblick des Wolfsberg aus zu sehen. Hier ist der Ausblick aber sehr unspezifisch, es ist nicht exakt zu erkennen welche Felsen ins Bild genommen wurden.

Während die Sicht des menschlichen Auges einer Brennweite von ungefähr 35mm entspricht wurde dieses Bild wie mit einem Teleobjektiv gemalt. Diese ziehen die Bildebenen zusammen und erzeugen eine verdichtete Atmosphäre die Spannung erzeugt. Teleobjektive können beispielsweise auch einen Menschen vor einem Berg groß wirken lassen. Ein Kritiker hat hier bemängelt, dass der Wander zu groß gegenüber dem Felsen wirkt. Auch ich würde das Bild noch spannender finden, wenn der Wanderer etwas kleiner wäre, um die Mächtigkeit der Felsen zu hervorzuheben. Trotzdem bleibt es von seiner Wirkung her ein tolles und spannendes Bild.

X-T2 | 1/1700 sec | f/5.4 | ISO800 | 101.2 mm | Der Gamrig
D700 | 1/160 sec | f/4.0 | ISO800 | 32.0 mm | Blick vom Wolfsberg

Profi-Tipp:
Alle 4 Felsen haben einen bequemen Aufstieg, der teils über Treppen geht. Und alle Felsen (den Rosenberg habe ich noch nicht besucht) bieten eine tolle Aussicht über die Landschaft. Am schönsten ist für mich der Zirkelstein. Er ist ein frei stehender Tafelberg der von einem Wäldchen umgeben wird. Je nach Entfernung können hier verschiedene Brennweiten eingesetzt werden. Der Zirkelstein ist auch einer der wenigen Berge über dem eine Drohne eingesetzt werden kann. Fast alle anderen Gipfel stehen unter Naturschutz oder sind Teil des Nationalparks.

Die Kaiserkrone und der Gamrig sind zugewachsene Berge und daher nicht so als Fotomotiv geeignet, wie der Zirkelstein. Der Rosenberg ist von verschiedenen Orten aus sichtbar. Für diesen muss ich selbst noch mal nach einem guten Standort suchen.

Anfahrt/ Parken:
Adresse: Marktweg 116, 01814 Reinhardtsdorf-Schöna
Hinter der Straße „Am Zirkelstein“ gibt es einen kostenlosen Wanderparkplatz. Dieser liegt zwischen dem Zirkelstein und der Kaiserkrone. Beide Berge sind von hier aus bequem erreichbar.

Entfernung Parkplatz – Zirkelstein: 700 m
Entfernung Parkplatz – Kaiserkrone: 1 km

Der Parkplatz beim Gamrig ist von hier 15 km entfernt.
Adresse: Rathener Straße, 01814 Porschdorf







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